Pony Sattel - So findet man das passende Modell

Stichpunkte zur "Praxisbezogenen Pony Sattelanpassung" 

Abdruck Satteldecke

Der Abdruck auf der Unterseite der Pony Satteldecke, den Schweiß und Fell des Pferdes hinterlassen, liefert wichtige Hinweise über Druckverteilung des Reitergewichtes und Bewegungsabläufen bei Pferd und Reiter, stellt aber nur bedingt ein Kriterium zur Beurteilung der Paßform eines Sattels dar. Gut zu erkennen sind Bereiche mit hoher Druckbelastung, Asymmetrien, Kontaktstellen des Sattelbaumes zum Widerrist oder den Dornfortsätzen der Wirbelsäule. Die Asymmetrien können auf Stütz- oder Hangbeinlahmheiten, unkorrekter Sitz, sowie auf Blockaden bei Mensch und Pferd hinweisen.

Anpassen von Pony Sätteln

Das Anpassen von Sätteln hat nichts mit Hexerei oder russischem Roulette zu tun. Vielmehr geht es hier um rein mechanische und physikalische Vorgänge, bei denen die Anatomie und die natürlichen Bewegungsabläufe von Mensch und Pferd berücksichtigt werden müssen. Wichtige Kriterien sind symmetrische Bewegungen, Losgelassenheit, Schwung und Taktreinheit. Wenn es hierbei irgendwo "klemmt" klemmt es auch bei der Sattelanpassung.

Hierzu ein Beispiel: Das Reitergewicht ist Kraft, das heißt Masse mal Beschleunigung. Die Gewichtskraft des Reiters wirkt beim Reiten senkrecht von oben.

Je nach Gangart und Bewegungsmuster, von Reiter, Pony und Sattel, kann die Kraft an der Sitzfläche des Sattels, der Masse des Reiters mal der dreifachen Erdbeschleunigung entsprechen. Je schwungvoller und losgelassener sich Pferd und Mensch miteinander bewegen, und je optimaler der Sattel den Druck des Reitergewichtes verteilt, je niedriger ist die gegenseitige Druckbelastung von Mensch und Pferd.

Außerdem wirkt der Reiter auf sein Pferd in der Bewegung durch treibende (Gewicht und Schenkel) und haltende (Hand und Gewicht) Hilfen ein und beeinflußt dadurch die Geschwindigkeit, die Kopf - Hals und Rückenhaltung, sowie die Symmetrie und das Gangbild seines Pferdes. Die Anpassung eines Sattels muß daher immer in der Bewegung erfolgen und als ein ganzheitliches Geschehen zwischen Mensch und Pferd aufgefaßt werden.
Am Anfang dieser Arbeit stehen folgende Fragen, jeweils bezogen auf Mensch und Pferd:

1. WasistinderVergangenheitgeschehen?
2. WelchesBildbietetsichjetzt?
3. WiesolldieZukunftfürReiterundPferdaussehen?

Aufsitzen

Aufsitzen bitte immer von einer Aufsteighilfe aus, damit sich Sattel, Pferd und Mensch mit der Zeit nicht "verziehen"!

Bewegungsgefühl

Das Bewegungsgefühl des Reiters muß oftmals massiv verbessert, wenn nicht sogar erneuert werden. Viele Menschen sind durch Bewegungsmangel, langes Sitzen und einseitige Bewegung gehandicapt und nehmen sich die Freude am Reiten. Verkürzte Sehnen, Muskeln und Bänder halten nicht viel vom Leistungssport Reiten, und vom korrekten Sitz. Treiben Sie Ausgleichssport - Schwimmen, Tanzen, Joggen, Radfahren - und dehnen Sie Ihren Körper vor und nach dem Reiten sorgfältig durch - wie es alle Leistungssportler machen - vor allem Ihrem Pferd zuliebe.

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Blockaden

Blockaden der Wirbel und Gelenke bei Mensch und Pferd ruinieren jede Paßform des Sattels. Dadurch, daß eine Schon- bzw. Schiefhaltung eingenommen wird, und die Tragfähigkeit der Rückenmuskulatur nur noch bedingt funktioniert, rutscht der Sattel nach vorn, liegt auf dem Widerrist auf, oder scheuert im hinteren Bereich hin und her. Die Polsterung wird schief, und es ist keine optimale Druckverteilung mehr gegeben. Nervenenden der Wirbelsäule werden gequetscht und der Gang des Pferdes negativ beeinflußt.

Flexibilität des Sattelbaumes

Die Flexibilität des Sattelbaumes bewirkt, daß jede Gewichtsverlagerung des Reiters punktuell und verstärkt im Pferderücken ankommt. Die Sattelbäume der englischen Sättel sind diagonal versetzt von links hinten nach vorne rechts und umgekehrt, sowie im hinteren Drittel nach rechts und links beweglich. Diese Konstruktion ist bei normalen Bewegungsabläufen ein Traum für jeden Reiter und jedes Pferd - bei Blockaden der Wirbel und Gelenke kann dies schnell zum Albtraum werden!

Gebisse und Zäumungen

Gebisse und Zäumungen sollten exakt angepaßt sein und dem jeweiligen Ausbildungsstand von Reiter und Pferd entsprechen. Das Gebiß darf nicht zu groß oder zu klein sein und muß unbedingt in der richtigen Höhe verschnallt sein. Zu überdenken sind gebißlose Zäumungen und scharfe Gebisse im Dauergebrauch, sowie die Hebelwirkung einzelner Gebisse. Bei der Zäumung ist unbedingt darauf zu achten, dass Stirnband und Nasenriemen nicht zu eng sind und die Kieferfunktionen beeinträchtigen. Auch diese Komponenten wirken sich auf die Rückenmuskulatur und somit auf die Paßform des Sattels aus.

Gurtlage

Die Gurtlage ist bei jedem Pferd verschieden und muß bei der Sattelanpassung berücksichtigt werden, damit nicht Gurt und Sattel in der Bewegung nach vorne gezogen werden und der Sattel aus dem Schwerpunkt gerät und auf die Schultermuskulatur drückt.

Maßanfertigung

Eine genaue Maßanfertigung des Sattels ist nur möglich, wenn das Pferd überhaupt ein geeignetes Maß hat! Pferde, die jahrelang mit einem unpassenden Sattel geritten worden sind oder durch Krankheiten und Mangelerscheinungen Schwächen im Rücken aufweisen, haben kein geeignetes Maß. Hier muß der Sattel sorgfältig Schritt für Schritt angepaßt werden, und eventuell zunächst mit einer dickeren Unterlage oder einem Gelkissen gearbeitet werden!

Meßsysteme

Meßsystem eigenen sich nur bedingt für die Sattelanpassung, da sie meistens nur im Stand eingesetzt werden können und es nicht möglich ist, den Reiter mit einzubeziehen. Die Rückenform und die Kammerweite der Pferde ändert sich aber unter Belastung des Reitergewichtes teils erheblich. Daher genügt auch nicht nur das Anlegen eines Drahtes im Stand und ohne Belastung zur Bestimmung der Kammerweite. Außerdem werden schiefe Rücken der Pferde oftmals mit berücksichtigt und danach der Sattelbaum und die Polsterung geformt - eine Quälerei fürs Pferd!

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Satteldecken und Schabracken

Satteldecken und Schabracken sollen aus festem Material bestehen, und anatomisch geformt sein. Sie dürfen nicht zu dick sein, weil sie sonst die Kammerweite und den Schwerpunkt des Sattels negativ beeinflussen. Sie müssen eingekammert werden, damit der Kissenkanal über den Dornfortsätzen der Wirbelsäule frei bleibt und kein Spannungsfeld entsteht. Vorsicht bei der Anwendung von Kissenkeilen und Tennisschlägern: Sie liegen auf den Dornfortsätzen auf und erzeugen Druck auf die Wirbelsäule!

Sitzgröße

Die Sitzgröße des Sattels, die optimale Druckverteilung und der Schwerpunkt sind miteinander verknüpft. Je kleiner die Sitzgröße, je mehr werden die vorderen Extremitäten belastet und umgekehrt. Grob gesagt, belastet 16,5" vermehrt die Vorhand, 17" ziemlich genau den empfindlichen Mittelteil des Pferderückens und 17,5" vermehrt die Hinterhand. Das kann zur Folge haben, daß ein Endmaß - Pony unter 17,5" Sitzgröße besser läuft als unter 17". Hierbei ist also keine Pauschalisierung, z. B. nach Konfektionsgröße des Reiters möglich.

Technische Mängel in der Paßform

Technische Mängel, die die Paßform von Sätteln negativ beeinflussen sind ein zu enger oder zu weiter Kissenkanal, zu weiche oder zu flache Kissenpolster, die in der Breite über die Begrenzung des Sattelbaumes hinausragen, ein zu weit hinten liegender Schwerpunkt, leicht thermoplastisch veränderbare Kunststoffbäume, mangelhafte oder gar kein Kopfeisen, zu steil und V-förmig zueinander stehende Kissen und zu prall gefüllte Kissen,

Gerade dem jungen Pferd steht ein ausgezeichnet passender Sattel zu, der es nicht in seiner muskulären Entwicklung stört und ihm keine Schmerzen verursacht.

Tiefer Sitz

Je tiefer der Sitz eines Sattels, um so schärfer ist die Einwirkung auf den Pferderücken und um so punktueller ist die Druckverteilung des Reitergewichts. Eine solche Konstruktion kommt also eigentlich nur für gut konditionierte, muskulöse Pferde in Betracht.

Veränderungen

Um ein hohes Maß von Funktionalität und Paßgenauigkeit beim Sattel, und ein ebenso hohes Maß an Zufriedenheit, Harmonie und Spaß am Reiten bei Mensch und Pferd zu erreichen, sind oftmals Veränderungen nötig, die vom Reiter und Pferdebesitzer nicht selten Mut, Geduld und Vertrauen abverlangen. Pferd und Mensch sind keine Maschinen, die man auf Knopfdruck ändern kann. Um so wichtiger ist es, daß gute und geschulte Spezialisten Hand in Hand arbeiten, damit fühlbare und sichtbare Erfolge erzielt werden.

Zu guter letzt

Ein Sattel paßt, wenn er keine technischen Mängel aufweist, waagrecht im Schwerpunkt liegt, die Ortenden des Sattelbaumes dadurch leicht nach hinten zeigen, die Kammer dem Widerrist ca. 2 Finger aufrecht Platz läßt, der Sattel hinter dem Schulterblatt liegen bleibt, nicht hin und her wippt und das Reitergewicht gleichflächig auf dem Pferderücken verteilt. Der Reiter soll ohne große Bemühungen von sich aus, gerade und aufrecht sitzen, so daß Schulter, Hüfte, Ferse eine gerade Linie bilden.

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Die Polsterung und die Paßform eines Sattels sollten wenigstens einmal im Jahr vom Fachhändler oder Sattler kontrolliert werden, auf jeden Fall aber nach einer osteopathischen oder chiropraktischen Behandlung, um falsche Druckverteilung durch schiefe Kissenpolster zu vermeiden.