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Text und Fotos: E. Holin
Warendorf. Vom 20. bis 21. Mai hatte der Warendorfer Rennverein e.V. zum Sommerfestival des Pferdes eingeladen. Im Rahmen ihres traditionellen Rennsportprogramms und im stilvollen Ambiente hatte der Verein rund 33 Welsh-Pony-Züchtern aus Westfalen, Hannover, Weser-Ems und dem Rheinland Gelegenheit gegeben, die Rasse Welsh in einer gelungenen Zucht- und Gebrauchsschau vorzustellen.
Außerdem zeigten die westfälischen Kaltblutzüchter dem begeisterten Publikum ihre gewaltigen Zuchtprodukte in mehreren Galopp-Durchgängen und im Geschicklichkeitsfahren für Zwei- und Vierspänner. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag bei den Galopprennen für Vollblüter.
Das Programm der Warendorfer Renntage konnte in allen deutschen Wettbüros am Bildschirm verfolgt werden, bundesweit wurde auf die in Warendorf startenden Galopper gesetzt.
Die Welsh-Schau
Im Rahmen des 1. Welsh-Pony-Meetings Westfalen waren die beiden Richter D. W. Jones und G. W. Thomas vom Telynau-Gestüt (B/Pb) in Nord-Wales nach Warendorf gekommen.
Auf Initiative der Familien Franz Brocks/Ostbevern und Rolf Paffrath/Wuppertal und durch die großzügige Unterstützung des Warendorfer Rennvereins sollte eine gelungene Welsh-Zucht-Schau zustande kommen, die auch gerittene und gefahrene Welsh aller Sektionen zeigte. Zahlreiche Zuschauer hatten so eine willkommene Gelegenheit, sich vor Ort über die vier Welsh-Sektionen unserer beliebten englischen Pony-Rasse, über die Welsh-Partbreds und über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Rasse Welsh zu informieren.
Das Welsh-Programm begann am Samstag mit der Führzügel-, der First Ridden-, der Sattelklasse und dem Private Driving. In der Führzügelklasse waren vier Trios teils in englischer teils in deutscher Aufmachung angetreten Das deutsche Outfit (Reitstiefel, Reitkappe, Dressur-Kleidung) wurde von den beiden Richtern nicht moniert. Sie äußerten sich deutlich zu den Reitkünsten der kleinen Reiterinnen und setzten damit auch ihre Beurteilungsprioritäten. In der Sattelklasse stellte sich mit Trefaldwyn Seren Mai ein Cob-Partbred vor (Fronarth Trysor x Ross Rosina, aus Wales importiert) und mit Dr.Doolittle das Produkt einer gelungenen Anpaarung B x D. Im Private Driving waren 5 Gespanne angetreten, eine beeindruckende Demonstration der Rasse Welsh vor der Kutsche.
Gegen 16.00 Uhr ging dann über Warendorf ein Unwetter nieder, wie es in der Vereinsgeschichte noch nie vorgekommen ist. Starke Wind- und Regenböen jagten über das Gelände und rissen Verkaufs- und Imbißzelte aus ihren Verankerungen. Es schüttete Wassermassen vom Himmel, das Rennbahngelände war innerhalb weniger Minuten von Teilnehmern und Zuschauern wie leergefegt, das Programm wurde unterbrochen. Betroffen war das Private Driving, das dann am Sonntag beendet wurde.
Die Zuchtschau
Die Welsh-Zuchtschau gab den Zuschauern einen guten Überblick über die verschiedenen Sektionen der Rasse Welsh und über die Welsh-Partbreds. Wie bei den meisten Welsh-Regionalschauen stellten auch auf der Welsh-Schau in Warendorf die Welsh-As und Welsh-Bs die meisten Vertreter, gefolgt von wenigen Welsh-Ds, Welsh-Cs und Welsh-Partbreds.

H-S Lady in Red, Jugend- und Tagesreservesieger,
einjährige Welsh-Cob-Stute
Jugendsieger wurde H-S Lady in Red, eine einjährige Welsh-Cob-Stute, die sich im Besitz von A.u.M.Pracht, Castrop-Rauxel, befindet, und von ihrem Züchter Heinz Spiekermann, Bochum, optimal vorgestellt wurde. Sie stammt aus der Anpaarung Menai Sparkling Magic und H-S Isabelle-Menai Sparkling Magic. Aufgrund ihres Exterieurs und der gezeigten Bewegungsabläufe gehört keine besondere prophetische Gabe zu der Feststellung, dass dieser Jährling sowohl im Schauring als auch als Zuchtstute eine hoffnungsvolle Kariere vor sich hat.

Störtebeckers Rosita, Reserve Jugendsieger,
einjährige Welsh-B-Stute
Dies gilt sicher auch für Störtebeckers Rosita, einen Welsh-B-Jährling aus der Verbindung Picasso M und der Wildzang`s Royal Rose v. Shamrock Discovery. Auch diese Fuchsstute kann - bis auf die Farbe - den Körperbau und die spektakulären Trabbewegungen ihres Vaters (aus der Zucht von Georg Michelbrand, Rechterfeld) nicht verleugnen. Stephan Siemers hatte bei der Vorstellung der Stute besonders im Trab keine Probleme, ihre Vorzüge locker zur Geltung zu bringen.

Leybuchts Brandino, Sektionssieger Welsh-A, geb.2003
Sektionssieger Welsh-A wurde der dreijährige Leybuchts Brandino (H-S-Brandy x Cuppers Merle-Synod Prophet) vor Leybuchts Estania (Sumrin Thor x Varpullan Estate-Vardra Julius), einer dreijährigen Dunkelfuchsstute, die sich im Besitz von Timo Schwiering, Leese, befindet. Brandino gefiel besonders durch seine Vitalität, seinen schwungvollen raumgreifenden Trab und sein kräftiges Fundament. Sein Vater H-S Brandy stammt von Friars Generous a.d. H-S Rowenta-Menai Julius. Mit diesem jungen Rotschimmel und seiner jetzt 9-köpfigen "Vererbertruppe" bietet das Leybuchtgestüt den Welsh-A-Züchtern ein differenziertes Angebot walisischer Blutlinien.

Störtebeckers Sonnenschein,
Sektionssieger Welsh-B und Tagessieger, geb.2003
Das Welsh-B-Championat ging an Störtebeckers Sonnenschein (Shamrock Mr. Oliver x Fulnaho`s Silvia-Lindehoeve` Sebastian), eine dreijährige Fuchsstute, Züchter und Besitzer Adolf Müller, Leybuchtpolder. Die beiden walisischen Richter, ausgewiesene Welsh-B-Experten, machten diese Stute auch zum Tagessieger der Schau. Man darf gespannt sein, wie sich diese Stute am kommenden Wochenende gegen die holländische Konkurrenz auf der Internationalen Welsh-Schau in Itterbeck behauptet. Mit Störtebeckers Rosita stellte das Gestüt auch den Reservejugendsieger, s.o.. Reserve Sektionssieger wurde die in Holland gezogene Lintelo Gracious, eine dreijährige Schimmelstute, Züchter u. Besitzer Yvonne Beekmann.

Golden Brithney, Sektionssieger Welsh-C, geb.2003
Den Sektionssieger Welsh-C stellte mit Golden Brithney das Gestüt Golden C von Martina und Michael Schmidt in Korschenbroich. Die dreijährige braune Stute stammt von Golden Beauty und Talon Lorna, der Stammstute des Gestüts. Brithney ist über Lorna eine Halbschwester der hochdekorierten Deroks Lady Janet. Auf der Schau wurde der Jährling Glyntegs Lady June von ihrer Züchter- und Besitzerin Marita Blortz, Kalkar, vorgestellt. Die junge Fuchsstute stammt aus der Anpaarung Quadrigas Goodluck Junior und der Deroks Lady Gwen-Synod Grouse.

Deroks Mr. Milton, Sektionssieger Welsh-D, geb.2000
Michael Voihs aus Erftstadt gewann mit Deroks Mr Milton (Menai Sparkling Magic x Deroks Welsh Model-Thorneyside Spring Magic) den Sektionssieger Welsh-D. Als Jährling hatte Michael Voihs den braunen Hengst von Rolf Kristen übernommen und ihn mehrfach erfolgreich auf Schauen in Holland und Deutschland vorgestellt. Inzwischen hat sich Mr Milton gebäudemäßig voll ausgelegt. Seinen Vater, der im zweiten Leasingjahr auf dem Llanarth-Gestüt in Wales steht, kann er interieur- und exterieurmäßig nicht verleugnen. Sektionsreservesieger wurde Nanteos Rowena, im Besitz von Rolf Paffrath, Wuppertal.

Cappuccina, Champion Welsh-Pb, geb.2003
Sieger Welsh-Pb wurde die 3-jährige Stute Cappuccina (Cappuccino x Chatanuga-Churchill), eine bildhübsche Fuchsstute mit ausgeprägtem taktreinen Trab. Züchter und Besitzer ist die ZG Gabriele, Steffi und Enno Janssen, die in Ahlen/Westfalen eine Reitanlage betreibt (Großpferde/10 Ponys/darunter einige Welsh-Pbs). Der Vater der Stute ist der Reitpony-Hengst Cappuccino von Costolany aus dem Besitz von Martin Vieth aus Ahlen-Dolberg. Der Hengst wurde 2004 nach Florida exportiert.
Das Galopp-Programm
Am Samstag lief ab 15.00 Uhr das Galopp-Programm. In acht Einzelrennen, einschließlich eines Pony-Rennens, kämpften die gemeldeten Vollblüter um Preisgelder und Ehrenpreise.

Amateurrennen für Amazonen
Auch am Sonntag gingen in acht weiteren Rennen wohl trainierte Vollblüter an den Start. Die Zuschauer standen dicht gedrängt an der Bande der Bahn und genossen den spannenden Verlauf des faszinierenden Renngeschehens. Trotz der enormen Wasserzufuhr am Vortage zeigte sich, dass der legendäre Warendorfer Boden tatsächlich das hält, was ihm schon seit Jahrzehnten nachgesagt wird. Am Sonntag war das Wasser im saugenden Sandboden nahezu versickert. Im huftiefen Matsch der Rennbahn war auch in den Kurven kein Pferd ins Rutschen gekommen, ein Zeichen dafür, dass die Rennbahn die Wassermassen der Vortage gut verkraften konnte. Nur ein Reiter hatte sich kurz nach dem Betreten der Rennbahn gekonnt von seinem leicht buckelnden Pferd absetzen und in voller Länge in die sandige Matsche legen lassen. Ohne Reiter suchte das Pferd mit hängendem Zügel Anschluss an seine schon zum Start galoppierten Artgenossen. Für das Paar war das Rennen gelaufen.
Der Veranstalter hatte u.a. ein Ponyrennen ausgeschrieben. Der Katalog wies sieben Teilnehmer aus. Bei der Vorstellung im Führring verwies der Kommentator über Lautsprecher mit Recht auf die kaum zu realisierenden Siegeschancen einzelner Paare. So ging z.B. ein kleiner Vollblüter an den Start, der trotz seines Pony-Maßes profimäßig für Galopprennen trainiert wird. Im Katalog wurden zwei Ponys mit einem Alter von 17 und ein weiteres mit 15 Jahren aufgeführt. Dieses Alter ist für teilnehmende Ponys eines ernstzunehmenden Galopprennens eher ungewöhnlich, zumal das Rennen über eine Strecke von 1200 m führen sollte. Zum Ärgernis geriet die Vorstellung des Paares mit der Startnummer 7.

So nicht!
Ein zu großes und zu schweres Mädchen saß auf einem für sie viel zu kleinen und leichtgewichtigen Welsh-A oder kleinen Reitpony. Es kam, was bei dieser unmöglichen Kombination kommen musste. Die beiden bildeten das Schlusslicht des weit auseinandergezogenen Starterfeldes. Mühselig galoppierten sie ca. 200 m hinter ihrem Vordermann her. Zum Schluss ersparte sich die Reiterin denn auch das Passieren der Ziellinie. Das ungleiche Paar verließ vorzeitig die Bahn, für das betroffene Pony eine gute Tat.

Kaltblüter als Galopper unterwegs
Publikumsmagnet die Kaltblüter
Am Sonntag stellten sich die Kaltblüter in mehreren Rennen als Galopper vor. Eingeteilt in eine leichte Klasse mit einem Gewicht zwischen 600 bis 750 kg und eine schwere Klasse zwischen 750 bis 1200 kg demonstrierten diese massigen Pferde-Riesen neben ihrer Behendigkeit westfälisches Temperament und Leistungsvermögen. Das tiefe Geläuf bildete für sie kein Hindernis. Die Reise führte über eine Distanz von 400 Metern, eine angemessene Strecke, die von den Tieren trotz ihrer Körpermasse gut bewältigt wurde. Es folgte ein Kegelfahren über eine Strecke von 600 m für Zwei- und Vierspänner. Die Wasserdurchfahrt fand großes Interesse bei den Zuschauern.

Beim Geschicklichkeitsfahren ging es auch durchs Wasser,
hier das Gespann von Bernhard Knoche
Der Kommentar
Mit dieser vielfältigen Veranstaltung setzte der Warendorfer Rennverein seine Bemühungen fort, im Herzen der westfälischen Pferdezucht neben dem Galoppsport auch andere reizvolle Facetten der Pferdezucht und des Pferdesports unters Volk zu bringen. Dieses Ziel wurde voll erreicht. Der Kontrast zwischen den schnellen Galoppern, den massigen Kaltblütern und den eher zierlich wirkenden Welsh-Ponys gefiel und beeindruckte.
Das aufgelegte Kinderprogramm - von der Hüpfburg bis zum Dromedarreiten - fand regen Zuspruch der jüngeren Besucher. Man kann den Warendorfer Rennverein nur ermuntern, seine Zielsetzung weiter zu verfolgen und durch ein ansprechendes Breitenprogramm potentielle Pferde-Freunde über Pferdesport und Pferdezucht anschaulich zu informieren.
Ergebnisliste
Jugendsieger H-S Lady in Red(D),
Zü. H. Spiekermann, Bes. A.u.M. Pracht, Castrop-Rauxel
Reserve Stoertebeckers Rosita(B), Zü. /Bes. Adolf Müller, Leybuchtpolder
Sektionssieger
Welsh-A Leybuchts Brandino, Zü./Bes. Enno Siemers
Reserve Leybuchts Estania, Zü. E.Siemers, Bes. Timo Schwiering, Leese
Welsh-B Stoertebeckers Sonnenschein, Zü./Bes. Adolf Müller, Leybuchtpolder
Reserve Lintelo Gracious, Zü./Bes. Y.Beekmann, NL
Welsh-C Golden Brithney, Zü./Bes. Michael Schmidt, Korschenbroich
Reserve -
Welsh-D Deroks Mr Milton, Zü. Rolf Kristen, Erftstadt, Bes. Michael Voihs, Erftstadt
Reserve Nanteos Rowena, Zü. Mrs J.E.M. Colegate, GB, Bes. Rolf Paffrath, Wuppertal
Welsh-PB Cappucina, Bes. ZG Janssen, Ahlen
Reserve -
Tagessieger Stoertebeckers Sonnenschein(B), Zü./Bes. Adolf Müller, Leybuchtpolder
Reserve H-S Lady In Red(D), Zü. H. Spiekermann, Bes. A.u.M. Pracht, Castrop-Rauxel
Führzügelklasse: 1.Pl. Boskant´s Verle(A), Laura Weghake
First Ridden Klasse: 1. Pl. Rötgers Carolus(A), Lara Poweska
Sattelklasse: 1.Pl. Trefaldwyn Seren Mai(D), Nicole Marjo Gerlach
Private Driving Samstag: 1.Pl. Donna(A), Sefa Haverkamp
Private Driving Sonntag: 1.PL. Lawrence Just in Time(D), Brigitte Lawrenz-Müller
Junior Handling: 1.Pl. Nobleness Oblige True Love(C), Sarah Olmer