Am frühen Sonntag-Nachmittag folgte das Amazonenrennen. Auf einem Außenplatz war ich mit dem Fotografieren schöner Welsh-Ponys beschäftigt, als über Lautsprecher die einzelnen Pferde und ihre Reiterinnen vorgestellt wurden, der Name Lydia Lammers fiel. Dieses Rennen musste ich miterleben, wenn schon mal Gelegenheit geboten wird, eine Werlerin auf einer wohl präparierten Sandbahn in Aktion zu erleben. Ihre Mutter Marianne Lammers ist manchen Pferdefreunden als ambitionierte Dressur-Reiterin des RV Werl aus der Mitte der 70er Jahre in guter Erinnerung.

Ohne Schutzbrille dem Ziel entgegen |
Schnell wechselte ich meinen Standort, und dann hatten die Teilnehmerinnen auch schon den Führring verlassen. Mir blieb keine Zeit, die Reiterinnen nach ihrer farbigen Aufmachung zu sortieren. Gleich nach Betreten der Sandbahn nahmen sie zügige Fahrt auf und im Speed ging es in typischer Galoppermanier - fast stehend in den hochgezogenen Steigbügeln mit geradem Rücken bei tiefem Kopf - an den Zuschauern vorbei zur Startlinie. Welche Reiterin war Lydia Lammers? Ich tippte auf die Nummer 7, dunkelgrünes Hemd, rot-schwarz geringelte Ärmel, dunkelgrüne Kappe, das könnte sie sein. Alle Reiterinnen hatten ihre Brillen schon aufgesetzt, drei weitere hatten die Farbe Grün in ihrem Outfitt. Dann kam endlich über Lautsprecher die Feststellung, Lydia Lammers trägt die Nr. 7.

So schön kann es auf der Rennbahn sein |
Auch wenn in dieser Prüfung Amateurreiterinnen unterwegs waren, so war es doch verblüffend, wie schnell das Starterfeld nach Passieren der Schikane auf der linken langen Seite der Bahn wieder sichtbar wurde und mit hohem Tempo heranwirbelte. Es hatte sich eine fünf-köpfige Spitzengruppe gebildet, die sich mutig in die vielleicht rutschige Kurve legte. Sie zog eine matschige breite tiefbraune zerstäubende Sandfontäne hinter sich her, die sich nicht wie ein Segen über die folgenden Reiterinnen ergoss und diesen ungewollt ein “Galoppieren in Blindheit “ bescherte, das nicht ungefährlich gewesen ist. Im Nachhinein erzählte Lydia Lammers, dass ihre sechs sauberen Brillen sehr schnell verbraucht gewesen seien. Ab der 800-Meter Marke sei sie daher ohne Schutzbrille nahezu blind geritten. Überwiegend sei sie damit beschäftigt gewesen, Sand aus ihren Augen zu wischen (Bei den Galoppern gehen die ReiterInnen entsprechend der Witterungsbedingungen mit einem Set von mehreren Brillen an den Start, die auf der Kappe sitzen. Nach Bedarf ziehen die ReiterInnen die verschmutzte Brille nach unten weg und ziehen eine saubere von oben nach). Immerhin kam die Werler Amazone trotz dieser Handikaps auf Platz 6.

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Nach Passieren der Ziellinie begaben sich alle Starter in den Extra-Ring zum Absatteln. Im Gewühle von Pferden, Reiterinnen und Helfern suchte ich Lydia Lammers. Mit lachenden Augen (mehr war unter der sandigen Deckschicht kaum zu erkennen) stellte sie sich wie ein Profi souverän für einige Fotos.Lydia Lammers besitzt als diplomierte Mineralogin eine Doktorandenstelle der Forschungsabteilung der Zahnklinik der Universität Münster.
Sie ist ein Beispiel dafür, dass die Kombination zwischen einem anspruchsvollen beruflichen Werdegang mit dem Betreiben eines arbeitsintensiven Leistungssports (zumindest in Ausnahmfällen) möglich ist. |
| In “sandiger” Aufmachung zum Nachwiegen |
Siehe auch Bericht in der Westfalenpost,
Ausgabe Werl/Soest v. 25./26.Mai,
Lokalseite und Kreisseite Sport
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