Grubenpferde im Ruhrbergbau
Ausstellung auf Zeche Zollern II/IV
in Dortmund-Bövinghausen
Text und Fotos von Eberhard Holin
In dem Westfälischen Industriemuseum, Landesmuseum für Industriekultur, Zollern II/IV findet seit dem 20.März bis 19.Juni, dienstags bis sonntags, 10-18 Uhr, eine Ausstellung zum Thema „Kumpel auf vier Beinen“, Grubenpferde im Ruhrbergbau statt.
Ballade vom Grubenpferd
von Paul Zech
veröffentlicht 1930

So schwarz weint keine Nacht am schwarzen Gitter,
wie in dem schwarzen Schacht das blinde Pferd.
Ihm ist, als ob die Wiese, die es bitter
in jedem Heuhalm schmeckt, nie wiederkehrt.

Es wittert durch das schwarze Fleisch der Steine
den Tod, und sieht ihn mit den toten Augen an,
und ist die ganze Nacht mit ihm alleine
und geht nur widerwillig im Gespann.

Der Knabe, der es durch die Gänge treibt,
will es mit Brot und Zucker fröhlich machen.
...es kann nicht mehr wie andere Pferde lachen,
in seinen Augen bohrt die schwarze Nacht, und bleibt.

Nur manchmal, wenn vermengt mit Harz und Laub
waldfrisches Holz dort unten in der Grube landet,
reißt es, von Wahnsinn jäh umbrandet,
den Schädel hoch und stampft die Menschen in den Staub.

Im Berg, die schwarze Wetternacht,
schlägt Funken aus den Hufen
und ehe noch die Notsignale rufen,
hat sich das blinde Pferd verhundertfacht.

Und poltert durch das schwarze Labyrinth
und stürzt im Fliehn die tiefe Felsentreppe
herab und wiehert durch die grüne Steppe,
auf der die toten Pferde mächtig sind.

Zur Ausstellung

Über 8000 Grubenpferde waren vor dem 1.Weltkrieg unter Tage im Ruhrbergbau beschäftigt. Die Anfänge der Pferdeförderung reichen in den Zechen des Ruhrbergbaus bis ins Jahr 1853 zurück. Als Ersatz für die menschliche Arbeitskraft wurden sie zur Steigerung der Kohleförderung eingesetzt. In Abhängigkeit von den Verhältnissen vor Ort konnte ein Grubenpferd bis zu 10 Kohle-Schlepper ersetzen. Bis nach dem 2.Weltkrieg wurden Grubenpferde als Nutz- und Arbeitstiere unter Tage beschäftigt. Das letzte Grubenpferd „Tobias“ verfuhr 1966 auf der Zeche Blumenthal in Recklinghausen seine letzte Schicht unter Tage.

Die Geschichte des Grubenpferdes wird durch die großzügig angelegte Ausstellung in Erinnerung gebracht. Für die Wissenschaft gilt es, fern jeder Sentimentalität, die Arbeits- und Lebensbedingungen des „Kumpels mit vier Beinen“ aufzuarbeiten und das facettenreiche und oft ambivalente Verhältnis von Mensch und Tier der Nachwelt auch an diesem Beispiel bewusst zu machen.

Die Ausstellung ist in der Alten Werkstatt der Zeche Zollern II/IV mit zahlreichen Exponaten (großen Fotos, Schriftstücken, Arbeitsgeräten etc.) untergebracht, direkt neben dem ehemaligen Pferdestall. Drei „nachgebaute“ Pferde/Ponys geben der Ausstellung einen besonderen wirklichkeitsgetreuen Reiz.

 

 

Abschiedsgruß an Tobias
und alle Grubenpferde
von Friedrich Lüning

Durch weite Strecken tief unter der Erde
im felsigen Gestein in finsterer Nacht
zogt ihr, ihr treuen Grubenpferde
die schwer beladenen Wagen zum Schacht.

Ihr habt dem Kumpel das schwarze Gold,
das mühsam er im Flöz gebrochen,
als schwere Last zum Schacht gerollt
mit zitternden Flanken und müden Knochen.

Das letzte Pferd im Ruhrrevier –
Tobias` treues Auge bricht,
ein „Knappschaftsrentner“ so wie wir
die letzten Jahr` im Sonnenlicht.

Ein Dank auch jenem, der sich fand,
der dich in Kost und Hut genommen,
wo im verdienten Ruhestand
du gern das Gnadenbrot bekommen.

Lebt wohl, denn andere Zeiten sind erwacht.
Der Hammer dröhnt, Maschinen hetzen,
ihr atmetet mit uns im Schacht,
wer kann die Kumpelschaft ersetzen?

Aus: Drawer Klaus, Erinnerungen an das Grubenpferd, Bochum 1982, S.21

 

Anschrift
Westfälisches Industriemuseum
Zeche Zollern II/IV
Grubenweg 5
44388 Dortmund

Telefon: 0231/6961-111
Geöffnet Di-So 10-18 Uhr

www.zeche-zollern.de

Vergleiche auch die beiden Beiträge auf dieser HP in der Rubrik Berichte
Holin, E., „Grubenpferde, Zeugen der Zeitgeschichte“, Teil 1, Teil 2